Über die Künstlerin
Geboren und aufgewachsen im idyllischen Ort Dalheim-Rödgen an der niederländischen Grenze begann Käthe Puzinas schon sehr früh, für ihre Kinder überlebensgrosse Puppen zu basteln. Unter Ihren Händen entstanden aus alten Stoffresten phantasievolle Katzen, Krokodile und Marionetten. Einmal zu Weihnachten überraschte sie ihre Kinder sogar mit einem riesigen grauen Elefanten. Unter seinen Füssen waren Räder montiert, so dass ihre Kinder sogar richtig darauf reiten konnten! Da war die Freude groß.
1986 lernte Käthe Puzinas die Bildhauerin Annemarie Rommerskirchen kennen. Diese schenkte Ihr eine Jesus Figur aus Fimo. Von da an entdeckte Sie ihre Leidenschaft und Ihr Talent lebensechte Puppen mit Ihren Händen zu gestalten. Unzählige Puppenkinder entstanden im Laufe der Zeit. Fröhliche, verschmitzte mit Lausbubengesichtern und auch ernste, traurige. Käthe Puzinas fertigt Ihre Puppenkinder aus Cernit. Die Kleidung der Puppen ist handgenäht und die Perücken sind handgeknüpft. Erfolgreiche Ausstellungen in Aachen, Duisburg, Mönchengladbach und Hannover folgten.
Mittlerweile ist Käthe Puzinas im niederländischen Grenzgebiet und über diese Grenzen hinaus eine bekannte Puppenkünstlerin. Seit Januar 2008 modelliert sie ihre liebevollen Kinderköpfe auch in Ton.
Gallerie
Jede Puppe ein Unikat
Text: Ursula Driskell; Dollami Nr.3/04 Juni/Juli
1985 hat Käthe Puzinas ihre ersten handgemachten Puppen an Kindern getestet. Wenn sich deren Gesichter beim Anblick ihrer Puppen öffnen, haben sie Kontakt aufgenommen. Werden sie abgelehnt wehrt das Kind ab. Diese Probe wurde Kaethe Puzinas zur Maxime, denn sie ist absolute Autodidaktin mit der kompletten Spanne vom Fehlschlag bis zum Erfolg bei der Kreation ihrer Geschöpfe. Bis auf gelegentlich gekaufte Kleidung und Schuhe macht sie alles selbst; auch jeder Körper ist ein Unikat, weil kein Schnitt benutzt wird. Das auffallendste Merkmal sind die Perücken. Auf fleischfarbenem Tüll knüpft sie – vom Stirnansatz bis zum Scheitelpunkt, dann über die Ohren zum Nacken hin mit Abnähern – in jedes dritte Loch zwei bis drei Härchen, alles nach Maß individuell für jeden Kopf. Die fertige Perücke wird mit transparentem Holzleim auf den Kopf geklebt. Dann wird zum Typ des Kindes die Frisur geschnitten. Sie verwendet am liebsten weiches Kinderhaar, das ihr gerne von ihr bekannten Knirpsen gebracht wird.
Für den Kopf drückt sie Alufolie in Form, mit einem Stück Hals. Darauf wird hautfarbener Cernit modelliert, der mit der Hand geknetet wurde und im Sommer vorher eine Weile im Sonnenschein, im Winter auf der Heizung lag. Im Gegensatz zu fertigen Styroporköpfen, die schon mal beim Backen schrumpfen können und dann klickern, ist das bei Alufolie ausgeschlossen. So wird auch jedes Kinderköpfchen einzigartig. Während dieses Prozesses werden die Augen eingearbeitet. Sie werden aus weißem Cernit vormodelliert, gebacken (alles in der Backröhre bei 100 Grad), geschliffen und mit Deckweiss, nach dem Trocknen mit bis zu acht Wasserfarben, bemalt. Kinderaugen sind weich in den Farben und haben nie harte Pupillen. Mit den Wasserfarben können die Ränder vermischt werden und verschwimmen dadurch etwas. Auf das fertige Auge kommt eine Schicht Fimo-Hochglanzlack und dann wird der fertige Kopf, nach dem Einsetzen der Augen, ca. eine Stunde gebacken.
Käthe Puzinas hat immer knetfertiges Material herumliegen, denn wenn der Drang und die Lust zum Modellieren von innen kommen, muss sie sofort agieren. Dann laufen ihre Hände fast von alleine und am schnellsten; unter Zwang geht garnichts. Aus der augenblicklichen Stimmung heraus entsteht das Wesen der Puppe. Wenn sie emotional stark aufgeladen ist, ob nun positiv oder negativ, kreiert sie die ausdrucksvollsten Gesichter.
Käthe Puzinas pflegt einen intensiven Kontakt zu den Menschen, die ihre Puppen gerne sehen. Die Betrachter sind am meisten von den traurigen oder verträumten Gesichtern beeindruckt, die in sich versunken zu sein scheinen. Beim stillen Beobachten dieser Betrachter spürt sie dann wiederrum, dass jeder Mensch ein Stück Traurigkeit in sich trägt. Das liebevolle Echo dieser Menschen spornt sie an und motiviert sie. In Gesprächen sprüht die sonst eher stille Künstlerin geradezu vor Begeisterung und teilt ihre Erfahrungen und technischen Kenntnisse völlig offen und uneigennützig mit. Als mehrfache Großmutter erkennt sie in fast allen ihren Puppen ihre eigenen Enkel. Auch Außenstehende sehen das. Dieser Punkt ist ein großes Mysterium, unerklärlich und nicht zu formulieren. Als sie Enkelin Leonie im Alter von drei Jahren porträtierte, erschrak selbst deren Mutter wegen der Ähnlichkeit. Sabine, die Jüngste, beschreibt Kaethes Arbeit so: „Auch eine traurige oder gar verzweifelt aussehende Puppe hat dennoch ein kleines, optimistisches Lächeln im Gesicht, welches dem Betrachter Zufriedenheit, Wärme und Geborgenheit gibt – so wie meine Mutter ein von Grund auf optimistischer Mensch geblieben ist.“ Das Leben hat sie souverän gemacht.






























